Einbruch – 2016 – Aufbruch

Text Facebook vom 07. August 2016

Ich habe lange überlegt, ob ich mich auf Facebook über das was mir geschehen ist äußere, aber ich möchte es nun doch tun.
Ihr könnt mir meine Schutzhülle aufbrechen und mein Eigentum nehmen.

Andrae Schmidt Einbruch Tresor Lebensschmuck

Aber ihr werdet niemanden finden, der euch Geld gibt für den künstlerischen Wert, der hinter meinen Arbeiten steckt. Es tut mir leid für euch, dass ihr den eigentlichen Wert schöner Dinge nicht sehen könnt.
Ihr werdet vielleicht jemanden finden der alles einschmilzt und euch den Silberwert bezahlt. Aber was habt ihr dabei gewonnen? Und was habt ihr vorher bereits verloren, dass ihr zu solchen Taten schreitet?
So schrecklich diese Erfahrung auch für mich ist, so wird mir dabei doch auch klar:
Niemand auf der Welt kann mir meine Begeisterung am Gestalten und an meiner Arbeit nehmen. Niemand zerstört mein Talent, meinen Glauben an die schönen Dinge im Leben, die mit keinem Geld der Welt zu bezahlen sind. Keiner nimmt mir meinen Glauben an das Gute im Menschen und meine Kraft, mit Hilfe von guten Freunden und Mitmenschen, immer wieder aufs Neue beginnen zu können.

 

Hier der vollständige Artikel über den Einbruch am 03.08.2016:

Ruhr Nachrichten, Sonntag, 14.08.2016

Goldschmiedin nach einem Einbruch „Es gibt Menschen, die haben mehr verloren als ich“

DORTMUND
Vor zehn Jahren eröffnete die Goldschmiedin Andrea Schmidt (46) in der Kleppingstraße ein Atelier. In der Nacht zum 3. August räumten Einbrecher das Geschäft leer und knackten ihren Tresor. Redakteur Peter Bandermann sprach mit der Designerin über die Folgen, ihre Gefühle und unerwartete Hilfe.

Frau Schmidt, wer kauft bei Ihnen?
Ich habe Kunden, die Individuelles suchen. Um blinkende Statussymbole, die nach hohen Werten aussehen, geht es ihnen nicht. Sie wollen Schmuck von hohem künstlerischem Wert. Die Täter wissen diesen Wert nicht zu schätzen. Denen fehlt die Fähigkeit, das Schöne in diesem Schmuck zu sehen – und nur aufs Materielle fixiert sind. Man kann meinen Tresor aufbrechen, aber die Ideen in meinem Kopf und die Fähigkeiten, diese umzusetzen, bleiben.

Wie haben Sie von dem Einbruch erfahren?
Ich habe um 11 Uhr das Geschäft aufgeschlossen. Der erste Blick fiel auf die geöffneten Vitrinen. Beim zweiten Blick stellte ich fest, dass alle leer waren. Der dritte Blick führte nach oben auf das aufgebrochene Fenster.

Einbruch Galerie Andrea Schmidt Dortmund

Wie haben Sie reagiert?
Ich war unfähig, die Polizei anzurufen, und bin sofort rüber zur Nachbarin. Die hat das übernommen. Zufällig war auch eine Kundin da, die mir über den ersten Schock hinweggeholfen hat. Ich war also nicht allein. Später kamen gute Freunde. Die haben nicht lange gefragt und die Scherben, den Dreck und den Staub im Keller, wo der Tresor aufgeflext worden war, beseitigt. Viele Menschen haben gefragt, wo sie anpacken können. Es tut gut, in so einer Situation Unterstützung zu haben.

Das hört sich sehr stabil an. Aber anfangs waren da sicher auch Tränen.
Der Einbruch hat alle Gefühls-Facetten entfacht, die man so haben kann, und ich kann mir Schöneres vorstellen, als nächtelang Unterlagen für die Versicherung und die Polizei zusammenzustellen. Aber: Das Ganze ist nur ein materieller Schaden und war kein Raubüberfall. Für die Täter ist es kleine Beute, für mich ein Riesenschaden – aber der haut mich nicht um. Wenn ich an die vielen Kriegsflüchtlinge denke: Um uns herum sind Menschen, die weitaus mehr verloren haben als ich. Das hier ist dann doch pillepalle.

Woher nehmen Sie diesen Optimismus?
Ehrlich gesagt: Ich erkenne mich gerade selbst nicht wieder. Aber ich werden jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern möchte möglichst schnell am Werktisch kreativ sein. Ich habe im Leben gelernt, mit Rückschlägen umzugehen. Meine Eltern sind im Zweiten Weltkrieg aus Ostpreußen und Stettin ins Ruhrgebiet geflohen. Ich stamme also aus einer starken Familie, die schon viel verloren hat.

Mit einem Einbruch geht es ins zehnjährige Atelier-Bestehen. Wie läuft das jetzt ab?
Ich suchte bis zuletzt vergeblich nach den richtigen Worten für das Zehnjährige. Nach dem Einbruch habe ich abends mit Freunden zusammen gesessen. So entstand die Idee, den zerstörten Tresor aus dem Keller ins Schaufenster zu stellen und ein Schild drüber zu hängen: „10 Jahre Atelier Schmidt – hier gibt es noch viel zu holen.“

Interview: Peter Bandermann

 

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